Wie ein Bergsteiger auf halber Höhe – die Grundstoffe haben an Schwung verloren. Die letzten vier Wochen brachten dem Sektor nur 0,37 Prozent Gewinn, während die längerfristige Dynamik (13 Wochen: 6,48 Prozent) noch Hoffnung sendet. Das ist nicht beängstigend, aber es ist ein Warnsignal, das ich ernst nehme.
Die wirtschaftliche Spannung wird greifbar
Hier treffen sich zwei widersprüchliche Signale. Deutschland schrumpft: Das BIP fiel um 0,50 Prozent, die Arbeitslosenquote bleibt niedrig bei 3,37 Prozent, die Inflation sitzt bei komfortablen 2,26 Prozent. Aber dann die Überraschung – und hier wird es interessant für Grundstoff-Anleger wie Sie: Die Industrieproduktion explodiert mit 25,6 Prozent Wachstum Jahr-zu-Jahr. Das ist keine normale Bewegung.
Was bedeutet das konkret? Die deutsche Industrie produziert mehr, aber das Gesamtwirtschaftswachstum schrumpft. Das deutet auf eine Lagerbestandskorrektur hin – Unternehmen bauen Bestände auf, obwohl die Endnachfrage schwach ist. Das ist Euphorie auf Pump. Für Grundstoffe klingt das zunächst positiv (mehr Produktion = mehr Rohstoffbedarf), kann sich aber schnell umkehren, wenn die Nachfrage realisiert, dass sie nicht da ist.
Der Sektor läuft parallel zum Index – aber ohne Begeisterung
Die Relative Stärke des Grundstoffsektors liegt bei 99,18 Prozentpunkten vs. DAX. Das bedeutet: Der Sektor marschiert im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt, ohne ihn zu schlagen oder zu unterschreiten. Das ist weder Schwäche noch Stärke – es ist Neutralität. Ein Momentum von 99,29 Prozent sagt mir, dass hier weder extreme Überkauftheit noch Überverkauftheit vorliegt. Für Sie als Privatanleger heißt das: Sie zahlen hier keine Risikoprämie für Spekulation, aber Sie bekommen auch keine Discount-Bewertung für Pessimismus.
Die Giganten: Agnico Eagle und Antofagasta
Schauen wir auf die Lokomotiven. Agnico Eagle Mines (AE9) ist eines der weltweit größten Gold- und Silberunternehmen. Die Performance spricht für sich: 10,89 Prozent in vier Wochen, 31,79 Prozent in 13 Wochen. Das ist ein sauberer Aufwärtstrend. Die Bewertung ist hier das Spannende: Das KGV liegt bei 27,21 – deutlich unter dem Sektor-Median von 50,81. Warum ist eine goldproduzierende Aktie günstiger bewertet als der Durchschnitt der Grundstoffe? Weil Goldminung traditionell defensiv, aber auch zyklisch anfällig ist. Der aktuelle EPS von 7,48 Euro ist solide. Die Tatsache, dass Agnico unter Sektor-KGV notiert, bedeutet: Der Markt vertraut dem Gewinn. Das ist ein positives Signal.
Antofagasta (FG1) ist anders strukturiert – Kupferminung vor allem in Chile, mit Diversifikation in Molybdän. Hier sehe ich ein klassisches Value-Play: Das KGV sitzt exakt beim Sektor-Median (50,81), aber das EV/EBITDA – also das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn – liegt bei nur 8,05, während der Sektor-Median 13,87 beträgt. Das bedeutet: Antofagasta wird günstiger bewertet, wenn man auf den operativen Cashflow schaut. Der EPS von 0,93 Euro ist gering, was auf höhere Schuldenlast oder niedrigere Margen hindeutet. Die 13-Wochen-Performance (30,06 Prozent) ist stark, aber weniger impulsiv als Agnico.
Zwischen den beiden: Agnico spielt auf steigende Edelmetallpreise (geopolitisches Unsicherheits-Hedge), Antofagasta auf wirtschaftliche Erholung (Kupfer braucht Bau und Elektromobilität). Welche These ist wahrscheinlicher? Bei deutschem Wirtschaftsschrumpf würde ich eher auf Agnico setzen.
Small Caps: Ehrlich gesagt – die Datenlage ist dünn
Ich möchte Ihnen hier nicht etwas schönreden. Für die Small-Cap-Segment im Grundstoffbereich fehlen mir aussagekräftige Daten. Das ist nicht ungewöhnlich – kleine Gesellschaften haben weniger Analyst-Coverage. Statt hier eine These zu erfinden, sage ich Ihnen: Warten Sie auf die Earnings-Saison. Heidelberg Materials (ehemals HeidelbergCement) meldet am 25. Februar 2026. Das ist ein wichtiger Baustoff-Player und könnte Ihnen zeigen, ob die hohe Industrieproduktion in echte Margen übersetzt.
Sentiment-Signal: Keine Alarme, aber auch keine Begeisterung
Die verfügbaren Sentiment-Daten zeigen keine Divergenzen. Das bedeutet: Es gibt keinen „versteckten” Optimismus oder Pessimismus, der dem Kurs widerspricht. Das ist beruhigend, aber auch unbespannend. Keine geheimen Chancen, aber auch keine unerwarteten Absturzrisiken.
Meine Empfehlung für Sie
Der Grundstoffsektor steht an einer Weggabelung. Die hohe Industrieproduktion könnte in den nächsten Wochen in echte Nachfrage umschlagen – oder in Lagerabbau. Meine konkrete Empfehlung: Bauen Sie eine kleine Position in Agnico Eagle auf, gewichtet mit 60-70 Prozent Ihres Grundstoff-Engagements. Das ist ein defensiver Play mit optionaler Partizipation an Edelmetall-Bewegungen. Das restliche Kapital können Sie in breit gestreute Rohstoff-ETFs legen (die neuen Xtrackers-Produkte vom 18. Februar sind solide Optionen) oder auf Heidelberg Materials warten.
Monitors: Beobachten Sie die nächsten zwei Wochen das Verhältnis Industrieproduktion zu BIP. Wenn die Schere sich weiter öffnet, wird es eng. Wenn sie sich schließt, haben die Grundstoffe echtes Aufwärtspotenzial.