Wenn der Motor läuft, während der Tank leer wird
Stellen Sie sich einen Lkw vor, dessen Motor brummt und röhrt – doch die Straße vor ihm ist verschachtelt und bergab. Das ist die aktuelle Situation im Kommunikationssektor: Während der Gesamtmarkt (DAX) in vier Wochen um nur 0,55 % vorankam, zog der Kommunikationssektor mit einem Durchschnitts-Momentum von 31,44 % deutlich davon – ein Relativ-Plus von über 31 Prozentpunkten. Das ist nicht normal. Und das ist der Grund, warum Sie diese Woche genauer hinschauen sollten.
Das makroökonomische Paradoxon verstehen
Deutschland sitzt in einer Zwickmühle. Das BIP schrumpft um 0,50 %, die Industrieproduktion springt überraschend um 25,6 % nach oben, und die Arbeitslosenquote liegt bei 3,4 % – also praktisch Vollbeschäftigung. Die Inflation mit 2,26 % ist moderat, nicht beängstigend.
Was bedeutet das für den Kommunikationssektor? Die Volatilität trifft ihn mit voller Wucht. Während klassische Industrie-Titel von den Produktionsspitzen profitieren, brauchen Kommunikationsunternehmen Stabilität und konstante Nachfrage – beides fehlt gerade. Der Sektor flüchtet daher in strukturelle Geschäftsmodelle: wiederkehrende Einnahmen, Abonnements, Cloud-Services. Das erklärt, warum der Sektor dem DAX davonläuft – nicht trotz der Makrolage, sondern wegen ihr.
Relative Stärke: Das Signal ist eindeutig
Eine relative Stärke von 31,27 Prozentpunkten gegen den DAX ist ein Signal, das Sie nicht ignorieren sollten. Das bedeutet: Anleger wählen bewusst in diesen Sektor aus – sie sehen Sicherheit und Wachstum in einer Zeit von Unsicherheit. Das ist kein Herdentrieb, sondern strukturelle Rotation.
Allerdings: Diese Stärke basiert auf wenigen konkreten Positionen mit klaren Daten. Das müssen wir uns jetzt genauer anschauen.
Omnicom Group: Der stabile Klassiker mit überraschend moderater Bewertung
Omnicom ist eine Agentur-Holding – vereinfacht: Das Unternehmen verkauft Kreativität und Mediabuchungen. Mit einer Marktkapitalisierung von 22,6 Milliarden Euro ist es ein etablierter Blue Chip.
Das KGV von 12,35 – also der Preis, den Sie für jeden Euro Jahresgewinn zahlen – ist bemerkenswert günstig. Zum Vergleich: Der Sektor-Median liegt höher. Das bedeutet, dass Omnicom trotz stabiler Gewinne (EPS von 5,73 Euro) derzeit unterbewertet erscheint. Die Momentum-Daten sind allerdings schwach: In vier Wochen legte die Aktie um 5,95 % zu, über 13 Wochen nur um 3,45 %. Das ist Basisrendite, nicht Momentum.
Meine Einschätzung: Omnicom ist ein Qualitätsanker mit einem anziehenden Preis. Wer stabilität über Wachstum sucht, findet hier gutes Material – aber nicht gerade jetzt als Einstieg, sondern eher auf der Watchlist für die nächsten vier Wochen.
Telkom Indonesia: Wachstum aus Schwellenländern, aber mit Fragezeichen
Telkom Indonesia ist anders: Ein Telekomkonzern in Südostasien mit 19,3 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Mit einem KGV von 17,9 zahlen Sie für jeden Euro Gewinn deutlich mehr als bei Omnicom – das muss durch Wachstum gerechtfertigt sein.
Die 13-Wochen-Performance von 10,56 % ist ordentlich, aber die 4-Wochen-Performance von nur 1,71 % signalisiert: Das Momentum zieht an. Ein klassisches Zeichen dafür, dass eine frühere Aufwärtsphase zu Ende geht. Mit EPS (Gewinn pro Aktie) von nur 0,01 Euro scheint hier etwas in den Daten nicht zu stimmen – das deutet auf Umrechnungsprobleme oder eine Besonderheit in der Berichterstattung hin.
Vorsicht angebracht: Die Bewertung rechtfertigt sich durch Wachstumshoffnungen, nicht durch aktuelle Fundamentaldaten. Das ist ein defensiver Hold für Schwellenländer-Fans, keine neue Position.
Small Caps: Ein großes Fragezeichen
Ehrlich gesagt: Für Small-Cap-Positionen im Kommunikationssektor fehlen mir in dieser Woche verwertbare Daten. Das bedeutet aber nicht, dass es hier keine Chancen gibt – es bedeutet, dass die verfügbaren Daten zu dünn sind, um Ihnen eine solide Empfehlung zu geben. Das ist kein Drama; es passiert regelmäßig bei kleineren Positionen.
Was aber sehr interessant ist: Das Börsen-Neuling Sirma Group Holding (Börsendebüt 24. Februar 2026 in Frankfurt, EuroBridge-Segment). Ein bulgarisches Softwareunternehmen mit 66 Millionen Euro Jahresumsatz, davon 43 % wiederkehrend. Die Aktie legte 2025 um 94 % zu, und das Geschäftsmodell – KI-Implementierung mit stabilen Abo-Einnahmen – passt zu dem Trend, den wir gerade beobachten. Die Marktkapitalisierung von 77 Millionen Euro ist winzig, die Bewertung spekulativ. Das ist kein Kauf für konservative Anleger, aber ein Name zum beobachten für alle, die auf strukturelles Wachstum setzen.
Das Sentiment-Puzzle
Divergenzen zwischen Momentum und Sentiment gibt es diese Woche nicht. Das ist interessant: Wer hier investiert, tut es aus fundamentalen Gründen, nicht aus Gefühlsschwankungen. Das macht den Sektor zuverlässiger.
Was Sie jetzt tun sollten
Der Kommunikationssektor läuft dem DAX davon – richtig. Aber die Hitze konzentriert sich auf strukturelle Wachstums-Narrative (wiederkehrende Einnahmen, Cloud, KI), nicht auf klassische Werbezyklen. Omnicom ist ein solider Hafen für Defensiv-Orientierte, Sirma ein spekulativer Katalysator für Growth-Fans. Telkom Indonesia: beobachten, nicht jagen.
Meine Empfehlung: Bauen Sie eine kleine Grundposition in stabilem Sektor-Material auf (Omnicom), und notieren Sie sich Sirma für die nächsten zwei Wochen. Dann zeigt sich, ob das Börsendebüt Zug-um-Zug nachhaltig läuft oder nur Flash-Euphorie war. Der Motor brummt – jetzt kommt es darauf an, dass er auch bergauf noch Kraft hat.